Review – Roger Stein – Alles vor dem Aber

 

Am 7. September 2018 erscheint das zweite Soloalbum „Alles vor dem Aber“ von „Roger Stein“. Veröffentlicht wird es über das Label von Konstantin Wecker. Dieser unterstützt auch musikalisch. Liedermachertechnisch ist es einfach ein tolles Album.

 

Mit sanften und harmonischen Klavierklängen beginnt der erste Titel „Glück“. Textlich ist der Song mit diversen Fragen aufgebaut und regt somit direkt zum eigenständigen Denken an, woran was gemessen wird. Etwas flotter, aber ebenso melodisch harmonisch geht es mit „Worauf willst du warten“ weiter. Inhaltlich wird das „geduldige Warten“ in Frage gestellt – ist es „Bequemlichkeit“? „Alles vor dem Aber“ als Titelsong folgt und besticht mit einem einfach restlos logischen Text. Denn alle Wörter eines Satzes vor dem „Aber“ sind „eigentlich nur schlechtes Füllmaterial“, egal ob in der Liebe, im Job, bezüglich Rassismus,… „Man sagt“ ist ebenfalls musikalisch hochprofessionell und greift thematisch Alltagsfloskeln auf. Über einen in der allgemeinen Ansicht nach „Freak“ geht es in „Detlef“. Unterstützt wird der Text durch die leicht provozierende Art der Musik und die Stimmlage. Etwas klarer, härter und vor allem kräftiger ist „Gesichter aus gar nichts“. „So viele Überalls“ ist dann wieder sehr harmonisch und bedeutend positiver und „verträumter“, sowohl instrumentell als auch textlich. Flotter und thematisch wieder sehr kritisch gegenüber des „transparenten Bürgers?“ ist „Sie schaun in deinen Kopf“. „Junifeld“ ist ein sehr positiv melancholisch wirkendes Lied über die Vergangenheit einer Liebe und generell einfach schön mit sehr tollen Klavierklängen. So beginnt auch „Hochzeitlied“. Allerdings wird es kräftiger und negativer mit einem klaren Statement gegen die Heirat und Ehe. Der recht flotte und fröhliche Titel „Dauabbauu“ ist eine Zusammenarbeit mit „Suchtpotenzial“. Ganz weich und ruhig ist „Septemberwinde“. Dies wird durch Streicher zusätzlich unterstützt.

 

Als erster der drei weiteren Bonustracks als Liveversion gibt es „Reihenhausgesicht“. Mit ordentlich Takt thematisiert es eine negative Veränderung von der „Wahnsinnsbraut“ von damals, wenn man sich nach einigen Jahren wiedersieht. Danach folgt „Pensionierte Punks“. Es geht auch hier um „die guten alten Tage“, die Erlebnisse und die Veränderungen bis heute. Als letzter Song rundet „Wenn ich mal Rentner bin“ das Album an. Es ist musikalisch wieder aktiver und mit viel Rhythmus versehen. Thematisch geht es wie erwartet um die Zukunftsvorstellungen.

 

Insgesamt ist das Album eine echte Bereicherung der Liedermachermusik. Es regt zum Denken an, bringt einen aber auch zum Schmunzeln. Es hat nicht nur negative Kritiksongs und zum Glück in meinen Augen fast ausschließlich gute Titel und nicht ständig Füllmaterial.

Demnach erhält die Scheibe von pomoportal-germany 8 von 10 Punkten. 

 

Unsere Anspieltipps sind „Alles vor dem Aber“, „Junifeld“ und „Hochzeitslied“.

 

Tracklist:

1. Glück

2. Worauf willst du warten

3. Alles vor dem Aber

4. Man sagt

5. Detlef

6. Gesichter aus gar nichts

7. So viel Überalls

8. Sie schaun in deinen Kopf

9. Junifeld

10. Hochzeitslied

11. Dauabbauu

12. Septemberwinde

Bonus:

13. Reihenhausgesicht

14. Pensionierte Punks

15. Wenn ich mal Rentner bin